Thursday, 10 September 2020

Tipps zur Verwendung von anderen Garnen

Habt ihr euch jemals gefragt, was passiert, wenn man ein anderes Garn verwendet, als in der Anleitung angegeben? Abhängig von der Art des Garns, das man verwendet, kann das Projekt größer, kleiner, lockerer, kompakter oder (wenn man Glück hat!)  gleich sein wie in der Maschenprobe, mit dem  angegebenen Garn. Heute sprechen wir über die Auswirkungen von Maschenproben, Garnbeschaffenheit und Farben, wenn man ein anderes Garn, als in der Anleitung angegeben, verwendet.

Gedanken zu Masschenproben

Wenn man ein anderes Garn, als in der Anleitung angegeben verwendet, ist es wichtig, eine Maschenprobe zu stricken, bevor man etwas anderes tut! Selbst wenn es ein Garn ist, das die gleiche Lauflänge wie das empfohlene Garn hat, kann es sich beim Stricken anders verhalten. Stellt sicher, dass die Maschenprobe groß genug ist, um  einen Eindruck von dem Strickstück zu vermitteln, das ihr anfertigen möchtet. Ausserdem müsst ihr es genauso spannen, wie ihr es mit dem fertigen Teil vorhabt, unabhängig davon, ob es von Hand gewaschen, feucht gespannt oder nur gedämpft wird.

Wenn ihr eure Maschenprobe messt, zählt die Maschen und Reihen in einem 10 cm Bereich an mindestens 3 verschiedenen Stellen in eurer Maschenprobe. Berechnet dann anhand eines Durchschnitts dieser Zahlen die tatsächliche Grösse in 10 cm. Dies ergibt  insgesamt eine genauere Messung, da es wahrscheinlich ist, dass nicht jede einzelne Masche genau gleich ist  (schließlich verleiht dies einem handgestrickten Gegenstand den Charakter!). Unser Elephant Needle Gauge verfügt über ein praktisches 10 cm Fenster, mit dem man die Maschen leichter zählen kann!


Ist die Anzahl der Maschen geringer, probiert es mit einer Nadelstärke grösser. Wenn ihr mehr Maschen habt, dann mit einer kleineren Nadelstärke, um die erforderliche Anzahl von Maschen und Reihen zu erhalten. Wenn es immer noch Probleme gibt, die erforderliche Anzahl von Maschen und/ oder Reihen zu erhalten, müsst ihr möglicherweise  ein wenig rechnen, um herauszufinden, wie sich der Unterschied  auf das fertiges Stück auswirkt.


Garnbeschaffenheit

Wenn ihr vorhabt, eine Garnmischung durch eine andere mit  gleicher Lauflänge zu ersetzen, kommt  auch  hier die Maschenprobe ins Spiel. Wie sich eine bestimmte Faser oder Fasermischung in einem Strickstück verhält, ist eine sehr große Diskussion. Daher werden wir hier einige visuelle Beispiele zeigen. Beide Projekte verwendeten ein Lacemuster und wurden mit Sockengarn gestrickt. Jedes Garn hat jedoch eine andere Fasermischung, wodurch ein anderes Maschenbild entsteht:


Probe #1: Rochambeau Cowlette von Carina Spencer, gestrickt aus Forbidden Fibe Co. Babel Sock: 70% Wolle, 20% Yak, 10% Nylon



Original gestrickt aus The Plucky Knitter Primo Fingering, eine Mischung aus: 75% Merino, 20% Cashmere und 5% Nylon.



Probe #3: Starshower von Hillary Smith Calais, gestrickt aus Tree Knita Plush Merino Gradient, 100% Merino Sockenwollstärke.



Original: gestrickt aus Anzula Nebula, eine Mischung aus 84% Merino und 16% Stellina


Selbst wenn man die gleiche Anleitung verwendet, kann man, mit einem anderen Garn, einen völlig unterschiedlichen Look kreieren.


Unterschiedliche Farben

Einige StrickerInnen sind nervös, wenn sie andere Farben als die in der Anleitunge vorgegeben  verwenden, insbesondere bei Mustern, die verschiedene Farben erfordern. Ein grundlegendes Verständnis der Farbtheorie kann  dabei helfen, Änderungen ohne Bauchschmerzen vorzunehmen. Wir geben  hier einen kurzen Überblick:



Hier ist das Farbrad dargestellt, das aus drei Hauptfarben besteht: Rot, Blau und Gelb, die als Primärfarben bezeichnet werden. In der traditionellen Farbtheorie sind Primärfarben die 3 Pigmentfarben, die durch keine Kombination anderer Farben gemischt oder gebildet werden können. Alle anderen Farben werden von diesen 3 Farbtönen abgeleitet.

Sekundärfarben werden durch Kombinieren der Primärfarben erstellt. Zum Beispiel Rot + Gelb = Orange, Gelb + Blau = Grün und Blau + Rot = Lila.

Tertiärfarben werden durch Mischen einer Primär- und einer Sekundärfarbe (zum Beispiel Gelb-Orange oder Rot-Lila) gebildet.

Hier sind 4 einfache Möglichkeiten, wie man mit dem Farbrad ansprechende Farbkombinationen erstellen können:

  1. Analoge Farben sind drei beliebige Farben, die im Farbkreis nebeneinander liegen, z. B. Blaugrün, Grün und Gelbgrün.
  2. Komplementärfarben sind zwei beliebige Farben, die sich direkt gegenüberliegen, z. B. Rot und Grün oder Gelbgrün und Rotviolett. In der Regel wird eine dieser Farben häufiger als die beiden anderen verwendet, um eine Farbdominanz zu erzeugen.
  3. Bei triadischen Farbschemata werden Farben verwendet, die gleichmäßig um das Farbrad verteilt sind, z. B. Orange-Rot, Gelb-Grün und Blau-Lila. Bei Verwendung eines triadischen Farbschemas ist es wichtig, die Farben sorgfältig auszugleichen.
  4. Das geteilte Komplementärfarbschema ist eine Variation des Komplementärfarbschemas. Zusätzlich zu den Grundfarben werden zwei Farben neben der Komponente verwendet. Eine geteilte komplementäre Maschnprobenkombination wäre rot, gelbgrün und blaugrün (anstelle von rot und grün).

Bei Mustern, die einen scharfen Kontrast erfordern (z. B. bei mehrfarbigem Gestrickt oder beim Mosaikstricken), findet ihr hier einen guten Trick, mit dem man die ausgewählte Palette testen kann, um festzustellen, ob zwischen ihnen genügend Kontrast besteht: Macht ein Foto aller Garne zusammen.


Und dann schaltet das Foto auf Monochrom:


Wenn zwischen den einzelnen Strängen deutliche Unterschiede sind, nachdem die Farbkomponenten entfernt wurden, wisst ihr, dass ihr eine Palette mit genügend Kontrast erstellt habt, damit das  fertige Projekt gut aussieht.


Wir hoffen, dieser Beitrag inspiriert euch dazu, bei  nächsten Strick- oder Häkelprojekt "über den Tellerrand hinaus zu denken" und vielleicht sogar außerhalb der üblichen Farbkombis zu stricken oder häkeln.



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